Erwachsen – und jetzt?

Heute gab es bei mir Frühstück im Bett. Naja ein Melonensmoothie. Sehr lecker, keine Frage!  Aber so ein richtiger Brunch, mit Eiern, Brötchen und frischem Orangensaft wie Sonntags (ja, ich weiß, heute ist erst Samstag) bei Mama und Papa zu Hause, das wäre auch nicht schlecht gewesen. Ich kann mich noch genau an meine Schulzeit Zeit erinnern. Nichts ersehnte ich damals mehr als mein Abitur. Nicht einmal wegen des Abiturs selbst, sondern um endlich frei zu sein, in die Ferne zu ziehen, das machen zu können, was ICH will. Ich wollte endlich „erwachsen“ sein.

Die ersten Wochen war es genau so wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich lebte nach meinem eigenen Rhythmus. Gestaltete den Tag nach meiner Vorstellung, aß was und wann ich wollte, räumte auf, wenn ich Lust dazu hatte, lief nackt durch die Wohnung und fühlte mich einfach frei.

„..Ich mach‘ mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt..“

Pipi Langstrumpf wusste schon immer was richtig ist!

 

Doch dann war das Gefühl von „Sturmfrei“ auf einmal verflogen. Es war nichts besonderes mehr. Und erwachsen fühlte ich mich nicht so wirklich. Plötzlich sehnte ich mich tatsächlich nach Mama, die AAABENDEEESSEEEEN ruft. Ja vor allem das hatte ich früher wirklich nicht genug zu schätzen gewusst: Sich an den gedeckten Tisch setzen, sich bekochen lassen, Tag für Tag. Was für ein Luxus! Und dann am besten noch meckern, wenn einem die Uhrzeit oder das Essen nur minimal nicht passte. Ich wusste gar nicht wie gut ich es hatte.

Mit den Monaten und  Jahren hat sich der eigene Rhythmus eingespielt. Und ich möchte meine Selbstständigkeit um nichts in der Welt missen! Wenn ich in der Heimat bei meinen Eltern bin, genieße ich heute jedes einzelne gemeinsame Essen, Zusammensitzen, und verwöhnt werden. Zu Hause ist man doch irgendwie immer wieder ein bisschen Kind. Und nach ein paar Tagen kommt dann langsam wieder sie Sehnsucht nach der Ferne, der Selbstständigkeit, dem eigenen Alltag. Und das ist schön so! Denn so erlebe ich beide „Seiten“ viel bewusster. Und, Vorfreude ist ja schließlich die schönste Freunde!

Statt dem Frühstück bei meinen Eltern, genieße ich jetzt einen leckeren Latte in einem meiner Kreuzberger Lieblingscafés. Ach so, und das Erwachsensein…ich fühle mich immer noch nicht wirklich erwachsen aber eilig habe ich es auch nicht mehr ganz so sehr.

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