Der Taxifahrer – Helfen ohne wenn und aber

Schon etwas länger ist diese Begegnung her. Aber so sehr im Kopf geblieben und Thematisch immer aktueller, sodass ich euch davon erzählen möchte.

Im Sommer letzten Jahres war ich für einen Dreh in Nürnberg. Zurück in Berlin angekommen war ich nicht nur wahnsinnig geschafft von 10 (!) Stunden Zugfahrt. Ich hatte auch einen so schweren Koffer bei mir, dass ich nicht wusste wie ich damit nur Ansatzweise eine der vielen Ubahn Treppen auf einem nach Hause weg schaffen sollte. Hierbei ging es nicht um Faulheit. Zum Einen war der Koffer wirklich so schwer dass ich ich ihn kaum tragen konnte, zum anderen muss ich bei solchen Dingen immer wieder auf meinen Rücken bzw den Bandscheibenvorfall achten – damit ist nicht zu spaßen.

Ich stand also vor der Entscheidung ein Taxi zu nehmen, hatte allerdings nicht genügend Bargeld bei mir. Fragen schadet nicht, dachte ich mir und ging auf einen Taxifahrer zu. Wie erwartet sagte mir dieser, dass eine fahrt zu mir nach Hause mehr kostet. Schade, sagte ich und wünschte einen schönen Tag. Gerade umgedreht, rief der Taxifahrer mir zu, dass er mich trotzdem nach Hause fahren würde. Ich war ganz baff, aber vor allem unglaublich dankbar!

Im Auto entwickelte sich nach und nach ein Gespräch zwischen uns. Keines dieser erzwungenen Smalltalks, kein Höflichkeits-Gespräch. Echtes Interesse von beiden Seiten.Hier sollte ich vielleicht betonen, dass dies nicht daran lag, dass der Fahrer Interesse an mir als Frau hatte. Glaubt mir, ich habe schon oft erlebt, dass Männer Hilfe ausnutzen um an mich als Frau zu kommen. Das war hier NICHT der Fall.

Im Laufe des Gesprächs erfuhr ich, dass der Taxifahrer 85 Jahre war. WAS? Ja, tatsächlich. Lang nach Rentenanfang arbeitete dieser Mann noch immer. Weniger freiwillig als notwendig. Denn seine Rente reichte so wenig aus, dass sowohl er als auch seine Frau immer noch arbeiten gehen. Aber nicht nur das. Ich erfuhr, dass der Taxifahrer und seine Frau vor 50 Jahren aus dem Iran nach Deutschland geflohen sind. Hier in Berlin haben sie 50 Jahre lang ohne Pause gearbeitet. Ihre Kinder sind in Deutschland geboren und aufgewachsen. Einer seiner Söhne ist vor einem Jahr für einen besuch in den Iran gereist und darf seit dem nicht zurück nach Deutschland einreisen.

Natürlich, ich kenne die Hintergrund Geschichten nicht. Weiß nicht was passiert und vorgefallen ist. Aber was ich weiß: Ein Alter Herr, ein Flüchtling, der länger arbeitet als er sollte. Der offensichtlich am Ende seiner Kräfte ist. Ein Herr der große Sorgen um seine Familie hat. Dieser Herr sitzt im Taxi und hilft mir. Ein Mädchen, das Jung und fit ist. Ein Mädchen dem es gut geht nur dummer Weise nicht genug Bargeld dabei hatte. Und Trotzdem Hilft dieser Herr mir. Dabei sollte es umgekehrt sein.

Beim Aussteigen sage ich extra zwei Häuser früher, dass ich hier wohne, damit er die blöde Einfahrt nicht nehmen muss. Und er? Besteht darauf meinen Koffer (ich habe eben noch erzählt wie schwer er war) zur Wohnung zu tragen! Davon konnte ich ihn nach langer Diskussion abbringen. Zum Glück.

So oft ich mich auch bei ihm bedankt habe, es reicht nicht. Es gibt nicht das zurück, was er für mich gemacht hat. So ganz selbstverständlich und selbstlos.

Herr Taxifahrer, Sie sind mir im Kopf geblieben. Von Herzen Danke! Ich hoffe das weitergeben zu können, was Sie mir gezeigt haben:

Helfen, wenn man es kann. Ohne wenn und aber.

 

2 Kommentare zu „Der Taxifahrer – Helfen ohne wenn und aber

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